Aktuelles

ULTRANET-Stromleitung: Keine vorschnellen Tatsachen schaffen

Die FDP Niedernhausen wendet sich gegen den Betrieb hybrider Stromleitungen auf Bestands-Masten, die die Mindest-Abstände zur Wohnbebauung nicht einhalten

OV-Niedernhausen 21.7.2017 -

Durch Niedernhausen und die Nachbargemeinden wird die neue ULTRANET-Stromtrasse neue Leitungen erforderlich machen; die Abschaltung des Atomkraftwerks Philippsburg macht eine Versorgung der Region Karlsruhe aus anderen Regionen notwendig. Der Eigentümer der bereits bestehenden Hochspannungsleitungen, die Firma Amprion, plant, auf den bestehenden Masten quasi ein Experiment durchzuführen, und erstmals in Deutschland eine Gleichstromübertragung unmittelbar neben einer Wechselstrom-Übertragung durchzuführen, beides im Hochspannungs-Bereich. In verschiedenen Anhörungen des Bundesamts für Strahlenschutz haben wir erfahren, dass die Auswirkungen kaum erforscht sind, und man daher recht bedenkenlos voranschreiten will.

Würde die Trasse neu gebaut, müssten zur Wohnbebauung mindestens 400 Meter Abstand eingehalten werden, andernfalls wäre eine Verlegung unter der Erde vorgeschrieben. Weil diese 400 Meter an vielen Wohngebäuden in Niedernhausen und der Region nicht eingehalten werden, verlangen wir eine Gleichbehandlung der Bürgerinnnen und Bürger in Niedernhausen: Diese Regel muss auch für die Bestands-Trasse gelten, weil die hybride Stromleitung eine andere Qualität als reiner Wechselstrom hat, und daher wie eine neue Trasse zu behandeln ist. In der Gemeindevertretung Niedernhausen haben wir dafür im Dezember 2016 den Gemeindevorstand beauftragt, ein juristisches Gutachten mit den Nachbar-Kommunen dazu ausarbeiten zu lassen.

Bis zum 31.07.2017 können Bürgerinnen und Bürger der betroffenen Kommunen auch einen Einwand an das Wirtschaftsministerium richten, welches gerade den Regionalplan überarbeitet. Dies ist einfach per EMail möglich, an die Adresse landesplanung@wirtschaft.hessen.de. Auch wir haben dieses Instrument genutzt, als Muster kann Ihnen folgender Text dienen:

Als Bürger der Gemeinde Niedernhausen beziehe ich mich auf die Planziffern 5.3.4.-5 und 5.3.4-6, in denen die Abstände zur Wohnbebauung bezüglich der Planung von Höchstspannungsfreileitungen (z.B. ULTRANET) zur Übertragung von Drehstrom (HDÜ), Gleichstrom (HGÜ) und Hybridstromleitungen (Wechsel (Dreh-)- und Gleichstrom auf einer Trasse = Pilotprojekt ULTRANET) tangiert sind.

Viele Bürgerinnen und Bürger in Niedernhausen haben Zweifel, ob für die künftige hybride Stromübertragung der Bestands-Schutz aus der alten, reinen Wechselstrom-Übertragung juristisch greifen darf, und die hybride Leitung einfach auf den alten Masten betrieben werden darf.
Vielmehr müsste hier das Regelwerk zum Neubau von Trassen angewendet werden, bei dem bei einer Nicht-Einhaltung von mindestens 400 Metern Abstand zur Wohnbebauung eine Erdverkabelung durchgeführt werden muss. Die Gemeinde Niedernhausen strengt zur Zeit gemeinsam mit anderen Gemeinden ein juristisches Gutachten dazu an.
Wir befürchten eine Benachteiligung der Bürgerinnen und Bürger Niedernhausens gegenüber anderen, bei denen komplett neue Trassen errichtet werden.
Die langfristigen Auswirkungen der hybriden Stromübertragung auf den menschlichen Körper und die Gesundheit ist unseres Erachtens nicht ausreichend erforscht, als dass man eine solche Leitung mit weniger als 400 Metern Abstand zur Wohnbebauung errichten könnte.

Ich beantrage daher eine Klarstellung in diesen Planziffern, dass bis zur juristischen Klärung keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden dürfen, also den Betrieb der neuen Stromleitungen auf den Bestands-Masten.

 

Kommentar schreiben

Kommentare